Die Geschichte der Brezel hat über viele Jahrhunderte Rätsel aufgegeben. Nicht so sehr wegen ihrer Gestalt, die läßt sich vom antiken Ringbrot bis in unsere heutige Zeit gut nachvollziehen. Weitaus schwieriger ist schon die Deutung des Namens „Brezel“.
Aber eins nach dem anderen. Fangen wir mit dem an, was wir exakt wissen und auch belegen können – mit der Entwicklung der Brezel-Form.
Bretzel, Pretzel, Brätzel, Bretzeli, Beugel, Bäugel, Kringel, Ring – das sind nur einige Brezelnamen aus der verwirrenden Vielfalt. Und natürlich schaut nicht jede Brezel gleich aus – da gibt es runde und eckige, ovale und herzförmige, geflochtene und gedrehte. Aber eines haben sie alle gemeinsam. Ihren Ursprung im römischen Ringbrot, das als Feinbrot bereits in der Antike kultische Bedeutung hatte.
Von der römischen Kaiserzeit bis ins frühe Mittelalter diente das Ringbrot, das ab dem 9. Jahrhundert allmählich die Form unserer heutigen Brezel annahm, den Christen als Abendmahlsbrot. In den Klöstern war die Brezel ab dem 10. Jahrhundert vor allem als Fasten – aber auch als Festtagsspeise bekannt. Unabhängig von dieser Klostertradition ist die Existenz der Brezel im Süden Europas bereits für das 5. Jahrhundert n. Chr. Aus einer Handschrift-Illustration belegt, die den trojanischen Helden Äneas und die karthagische Königin Dido beim gemeinsamen Mahl zeigt. Daraus ergibt sich eine feste Überlieferungskette vom 5. Jahrhundert aus dem Mittelmeer-Raum über die mittelalterlichen Klöster bis in unsere Zeit. Die Brezel gehört somit zu den ältesten Gebildbroten antik-christlichen Ursprungs.

Das Geheimnis der Brezel

Volkskundler, Sprachwissenschaftler und Historiker haben sich immer wieder bemüht, das Geheimnis Namens „Brezel“ zu lüften. Und weil so viele schöne Deutungen dabei herausgekommen sind, wollen wir einige hier wiedergeben:
Die Gestaltung der Brezel soll ein geschlungenes Seil wiedergeben um dadurch die Fesselung Christi mit Stricken anzudeuten. Als Beleg für diese Theorie wird angeführt, das die Brezel – aus dem Rundbrot entstanden – in manchen Gebieten auch Kringel heißt, was wiederum von dem englischen Wort cringle abgeleitet, einen seemännisch geschlungenen Ring mit einem Tau um zwei Pfähle darstellt.
Aber auch noch andere Bedeutungen hat man der Brezel wegen ihrer Kreis- und Rundform unterlegt. So kann man in Meyer's neuem Konversations-Lexikon von 1862 folgendes nachlesen:
„... einige wollen darin die Zauberbänder der altgermanischen Frauen wieder erkennen. Wieder Andere halten die Brezel für ein Zeichen des Kreuzes in einem Kreise, als ein Symbol der Herrschaft der christlichen Religion über den Erdkreis, eine Annahe wofür auch die Zeit ihrer Bereitung, in den meisten Gegenden um die Fasten, zu sprechen scheint... endlich soll die Bretze ein Rad bedeuten.“
Wieder andere leiten das Wort Brezel ab von bracchium, dem lateinischen Wort für Arm. Schließlich ähnelt die Gebäckform ja auch zwei verschlungenen Armen.
Max Höfler, der bekannte Gebildbrot-Forscher geht noch einen Schritt weiter und kommt zu dem Ergebnis, dass die Brezel eine symbolische Gabe aus den Totenkult-Bräuchen ist, denn Ringe, Armspangen oder Halsringe waren früher übliche Grabbeigaben, die im Laufe der Zeit durch symbolische Gebildbrote ersetzt wurden. Höfler leitet den Namen Brezel sowohl von Kringel/ Ring als auch von bracelet/ Armreif ab.
Auch die Ableitung des Brezel-Namens von breztella, bretstelle, d. h. auf Brettern ausgestelltes Backwerk, wurde versucht.
Oder wie wär's mit: Brezel kommt von preciuncula, pretiola – dem lateinischen Wort für Belohnung/Geschenk, weil die Priester bzw. Lehrer die fleißigen Kinder mit Brezeln zu „motivieren“ pflegten?
Welche Version jetzt stimmt? Nach heutigen Erkenntnissen sicher die mit den Ärmchen, denn der Name Brezel entwickelte sich aus dem lateinischen Wort für Arm: „bracchium“. Daraus leitet sich die althochdeutsche Bezeichnung „precita“ mit vielen Nebenformen wie „brezitella“ oder „brezin“ ab, woraus schließlich unser Wort Brezel entstand.
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